Weimar. Kirill Karabits und die Staatskapelle Weimar präsentieren am 9. / 10. Dezember 2018 in der Weimarhalle die Deutsche Erstaufführung von Mark-Anthony Turnages „Testament“

Mark Anthony Turnage C Philip Gatward 06 square 

Mit einer Deutschen Erstaufführung stellt die Staatskapelle Weimar im 4. Sinfoniekonzert am Sonntag, 9. und Montag, 10. Dezember, jeweils 19.30 Uhr in der Weimarhalle ihren aktuellen „Composer in Residence“ Mark-Anthony Turnage vor. Der Brite zählt zu den Gratwanderern und Grenzgängern unter den zeitgenössischen Komponisten. Seine musikalische Sprache zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Fülle unterschiedlichster Ideen sowie durch eine Vielfalt stilistischer und kultureller Bezüge aus. Die stets sehr persönlich gefärbte Mischung aus Energie und Elegie, aus Rauem und Feinsinnigem verspricht dem Publikum dabei zutiefst bewegende musikalische Erlebnisse. So auch in seiner neuesten Schöpfung „Testament“, einem Auftragswerk des Bournemouth Symphony Orchestra und der Staatskapelle Weimar. Entstanden aus einer gemeinsamen Idee des Komponisten und des Weimarer Chefdirigenten Kirill Karabits ist das fünfsätzige Werk für Sopransolo und Orchester eine Hommage an Karabits‘ Heimat, die Ukraine, ihre Kultur, Literatur und Geschichte – und vor allem an die Menschen, die für die Unabhängigkeit des Landes gerungen haben und bis heute ringen. Turnage verarbeitete darin Texte ukrainischer Dichter und zitiert – untergründig, aber emotional zutiefst prägend - lokale Volkslieder. Den behutsam in die Klangwelt des Sinfonieorchesters eingebetteten Gesangspart, der als Stimme des für Freiheit und Selbstbestimmung kämpfenden Individuums verstanden werden kann, übernimmt in den Aufführungen in Weimar die aus der Ukraine stammende Sopranistin Olga Pasichnyk.

Beinahe wie ein Testament wirkt auch das sphärisch-verklingende Finale von Gustav Mahlers 4. Sinfonie, die in der zweiten Hälfte des Konzerts zu erleben ist. Obwohl in einer ausgesprochen heiteren Periode seines Lebens komponiert, sind in diesem Werk ebenfalls Gedanken an Tod und Ewigkeit stets wie selbstverständlich in Mahlers Schaffen Teil des klingenden Kosmos, den er mit jeder Sinfonie neu und individuell erschuf. Der gespenstisch aufspielende Tod bleibt aber zumindest hier nur groteske Episode.

Am Pult steht an beiden Abenden Kirill Karabits, der jeweils auch ab 18.45 Uhr in der Einführung mit Konzertdramaturgin Kerstin Klaholz über die Entstehung und die Hintergründe von „Testament“ berichten wird. Am Sonntag, 9. Dezember ist auch der Komponist Mark-Anthony Turnage anwesend.

Das Konzert wird von Deutschlandfunk Kultur mitgeschnitten und am 11. Dezember 2018 ab 20.03 Uhr bundesweit gesendet.

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