Dokumentartheater „NSU-Monologe“ der „Bühne für Menschenrechte“ am 4.10.2018 im Weimarer E-Werk

NSU Monologe Foto Uli Malende

Im E-Werk (Am Kirschberg 4) präsentiert das DNT Weimar am Donnerstag, 4. Oktober 2018, 19 Uhr, das dokumentarische Theater „NSU-Monologe“ der „Bühne für Menschrechte“ mit anschließendem Gespräch.

Basierend auf ausführlichen Interviews mit Angehörigen der Opfer der rechtsextremen NSU-Terrorzelle, die gekürzt aber sprachlich nicht verändert wurden, erzählt das Stück vom Schicksal und den jahrelangen Kämpfen dreier Familien um Wahrheit und Gerechtigkeit. Begleitet von Gesang, Cello und Klavier leihen vier SchauspielerInnen einfühlsam und distanziert zugleich den Hinterbliebenen Elif Kubasık, Adile Simsek und Ismail Yozgat ihre Stimme und lassen sie als Protagonisten ihrer eigenen Geschichten zu Wort kommen. Mal behutsam, mal fordernd, mal wütend geben sie intime Einblicke in ihr Leben, ihre Gedanken und Erfahrungen, offenbaren ihren Mut und ihre Willensstärke. Sie bringen den Schmerz über den Verlust der geliebten Menschen, die Wut und Verzweiflung über falsche Anschuldigungen und das Versagen der Behörden bei den Ermittlungen, aber auch Zuversicht und Hoffnung zum Ausdruck. „Zutiefst persönlich und hoch politisch“ (RBB Kulturradio), „ein starkes Stück Theater“ (Berliner Morgenpost) und „ein nachdenklich und auch wütend machendes Stück Wahrhaftigkeit“ (RBB Inforadio), das in Zeiten des Erstarkens von Rechtsextremismus und Rassismus hochaktuell ist.

Die von Michael Ruf initiierte „Bühne für Menschenrechte“, ein bundesweites Netzwerk aus inzwischen 400 SchauspielerInnen und MusikerInnen, konzipiert seit 2011 dokumentarische, wortgetreue Theaterstücke zu aktuellen Menschrechtsfragen. Über die Erzählung von authentischen Schicksalen und Biographien von Menschen, denen Unrecht widerfahren ist, wollen sie für diese Themenkomplexe öffentliche Aufmerksamkeit erzeugen und die ZuschauerInnen dazu bringen, sich aktiv zu engagieren. Nach den vielbeachteten „Asyl-Monologen“ und den „Asyl-Dialogen“ stellte die Initiative im November 2016 mit den „NSU-Monologen“ ihre dritte Produktion vor, die bei Aufführungen in ganz Deutschland ebenfalls auf große Resonanz stößt.

Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Gespräch mit dem Soziologen und Rechtsextremismusforscher Dr. Matthias Quent statt, der über die Zusammenhänge und Dynamiken der individuellen, gruppalen und gesellschaftlichen Einflüsse auf die Radikalisierung des rechtsterroristischen „Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU)“ promoviert hat. Zudem war er Sachverständiger für Untersuchungsausschüsse des Thüringer Landtags, des Deutschen Bundestags und im sächsischen Landtag. 2012 erhielt Quent den Nachwuchspreis des Forschungsschwerpunkts Rechtsextremismus/ Neonazismus der Fachhochschule Düsseldorf und 2016 den Preis für Zivilcourage der Stadt Jena. Quent ist u.a. Mitglied im Institut für Protest- und Bewegungsforschung, im Vorstand von Mobit e.V. sowie im Lenkungsausschuss der Online Civil Courage Initative (OCCI) Deutschland. Seit August 2016 leitet Quent das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft.

Karten: 14,50 Euro

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