Premiere: 3. August 2018, 20 Uhr, Domplatz Erfurt

Zu Werk und Inszenierung
Zum Jubiläum der diesjährigen 25. DOMSTUFEN-FESTSPIELE IN ERFURT steht mit Georges Bizets Carmen eine der Erfolgsopern schlechthin auf dem Programm.
Die unnahbare Zigeunerin Carmen wickelt alle Männer um den Finger. Auf den gewissenhaften Soldaten Don José hat sie so viel Einfluss, dass er ihr zur Flucht verhilft, damit seinen Job verliert, seine Verlobte Micaela verlässt und sich einer Schmugglerbande anschließt. Dass Carmen trotz allem dem draufgängerischen Torero Escamillo ihre Liebe schenkt, entfacht ein tödliches Eifersuchtsdrama.
Beruhend auf der gleichnamigen Novelle von Prosper Mérimée fasziniert Bizets Carmen seit jeher durch ihre schillernde Titelfigur in ihrer magnetischen Anziehungskraft, ihrem grenzenlosen Freiheitsdrang und ihrem starken Willen bis in den Tod sowie durch eine Fülle an berühmten Melodien wie Carmens „Habanera“ und „Seguidilla“, Josés Blumenarie und Escamillos Torero-Lied.
Verführung, Eifersucht, Stierkampf und Mord – ist das alles? Nein.
„Die Liebe ist ein Zigeunerkind, sie hat niemals ein Gesetz gekannt...“, singt Carmen in ihrer berühmten Habanera. So lässt Georges Bizet sie auftreten: stolz, selbstbewusst, frei, selbstbestimmt – und dabei als Zigeunerin doch zur Außenseiterin stilisiert.
Im 19. Jahrhundert waren die „Zigeuner“ im künstlerischen Kontext ein häufig verwendeter Topos und meist positiv konnotiert: Freiheit, einfaches Leben, Ungebundenheit, Idylle – eine Metapher für unbürgerliche Wunschfantasien. Wie schnell hat man Bilder von hübschen, buntbemalten Pferdewagen, Gitarre spielenden Männern und tanzenden Frauen in langen Röcken vor dem inneren Auge! In der Realität war das „fahrende Leben“ jedoch stets von Verfolgung geprägt und ein Kampf um Anerkennung in einer feindselig gesinnten Umwelt. Trotz des anhaltenden Antiziganismus in Europa wollten die „Zigeuner“, die sich selbst nie so nennen würden, nie als Opfer gelten, sondern entwickelten außergewöhnliche Fähigkeiten, Fantasie und Kraft, um dennoch zu überleben. So
spezialisierten sie sich auf „fahrende Tätigkeiten“: als Schmiede und Pferdehändler, in neuerer Zeit als Schausteller, Auto- oder Schrotthändler.
Die Inszenierung von Guy Montavon, für die Ausstatter Hank Irwin Kittel ein spektakuläres Bühnenbild aus Schrott-Autos entworfen hat, greift genau dieses Bild auf. Sie zeigt die bewundernswerte Selbstbehauptung und den Kampf um Freiheit einer an den Rand gedrängten, auf die Müllhalde der Gesellschaft abgeschobenen Frau und geht damit über die klischeehafte Zigeunerromantik der schönen tanzenden Frau weit hinaus.
Neben dem Ensemble aus hochkarätigen, international gefragten Solisten stehen jeden Abend mit dem gut 60-köpfigen Philharmonischen Orchester Erfurt, Opernchor des Theaters Erfurt, Extrachor, Statisterie und Kinderchor ca. 150 Beteiligte auf der Bühne, die 2018 erstmals unter der Leitung von Myron Michailidis musizieren, der mit dieser Festspielproduktion sein Amt als Generalmusikdirektor in Erfurt antritt.
Drei Fragen an Guy Montavon
Carmen ist wie kaum eine weitere Opernfigur mit Klischees beladen. Wie gehen Sie damit um?
Die Klischees kommen nicht von ungefähr. Die Handlung spielt in einem ganz konkreten Ambiente, nämlich in Andalusien in Südspanien. Diese Verortung führt leicht zu einer gewissen Folklore. Das ist in Ordnung, aber diese Klischees sind nicht das Stück! Die Bilder von Carmen mit Flamencokleid und
Fächer, die man häufig sieht, beschreibt der Autor auf gar keinen Fall. Die Grundaussage ist: Carmen ist eine Frau der besonderen Art. Aber es steht nirgendwo geschrieben, dass sie eine Rose dabei hat, geschweige denn, dass sie besonders schön ist.
Was ist für Sie der wesentliche Aspekt der Handlung?
Im Wesentlichen ist es eine Oper über Freiheit, dieser Begriff ist wahnsinnig präsent in diesem Werk. Am Ende des zweiten Aktes wird die Freiheit geradezu hymnisch besungen. Carmen ist eine Bohémienne, eine Romanichelle, eine Zigeunerin. Aus der romantisierten Perspektive stehen die Zigeuner, für ein freies, wildes, idyllisches Leben, aber die Realität ist im Gegenteil eher geprägt durch einen steten Freiheitskampf, weil sie ständig verfolgt und unterdrückt wurden.
Ihr Bühnenbild besteht hauptsächlich aus Autos. Wo kommt diese Assoziation her?
Das hat mit dem Beruf der Zigeuner zu tun, die von jeher ausgesprochen gute Schmiede waren, Eisen und Stahl verarbeitet haben und Beförderungsmittel waren einfach immer ihr Metier. In Frankreich sind bis heute Schrottplätze sehr häufig von Zigeunern betrieben. Daraus ist die Assoziation von Schrottautos entstanden, die zu einem Berg aufgetürmt sind. Das hat etwas Geheimnisvolles, lässt sich künstlerisch toll gestalten und ist vor allem ein starkes Bild für die gesellschaftliche Situation von Carmen und den Schmugglern: Sie sind auf den Müll, in den Dreck abgeschoben.
Carmen
Oper in vier Aufzügen von Georges Bizet
Libretto von Henri Meilhac und Ludovic Halévy
Rezitative von Ernest Guiraud
Uraufführung Paris 1875
In französischer Sprache mit Untertiteln
Besetzung
Musikalische Leitung Myron Michailidis
Inszenierung Guy Montavon
Ausstattung Hank Irwin Kittel
Licht Torsten Bante
Chor Andreas Ketelhut
Dramaturgie Lorina Strange
Carmen Katja Bildt / Julia Stein / Miroslava Yourdanova
Don José Philippe Castagner / Won Whi Choi / Andres Veramendi
Escamillo Andrey Maslakov / Mandla Mndebele / Siyabulela Ntlale
Micaela Margrethe Fredheim / Daniela Gerstenmeyer
Frasquita Sujin Bae* / Julia Neumann
Mercedes Annie Kruger / Katharina Walz
Zuniga Andrey Maslakov / Kakhaber Shavidze
Morales Andrii Chakov / Dmitry Ryabchikov / Ks. Máté Sólyom-Nagy
Dancaïro Andrii Chakov / Dmitry Ryabchikov / Ks. Máté Sólyom-Nagy
Remendado Ks. Jörg Rathmann / Alexander Voigt
Philharmonisches Orchester Erfurt
Opernchor des Theaters Erfurt
Philharmonischer Chor Erfurt
Kinder- und Jugendchor des Theaters Erfurt
Statisterie
Doppelbesetzungen in alphabetischer Reihenfolge
* Mitglieder des Thüringer Opernstudios
Die Abendbesetzung entnehmen Sie bitte den Aushängen auf dem Festspielgelände.
Premiere: Freitag, 3. August 2018, 20 Uhr
Weitere Vorstellungen: Sa, 04.08. | So, 05.08. | Di, 07.08. | Mi, 08.08. | Do, 09.08. |
Fr, 10.08. | Sa, 11.08. | So, 12.08. | Di, 14.08. | Mi, 15.08. | Do, 16.08. | Fr, 17.08. |
Sa, 18.08. | So, 19.08. | Di, 21.08. | Mi, 22.08. | Do, 23.08. | Fr, 24.08. | Sa, 25.08. |
So, 26.08.2018 jeweils 20 Uhr