Weimar. Interpretationen und Variationen mit preisgekröntem Liedduo und Jazzquartett

Artsis Polina im Duo mit Elitsa Desseva Foto M Sch f940e85d1a

1942 komponierte Hanns Eisler im amerikanischen Exil sein „Hollywood Songbook“. Die eindringlichen Lieder nach Texten von Brecht und Hölderlin handeln vom Leben auf der Flucht und in der Emigration. Erhalten sind Autographe von 38 Kompositionen aus diesem „Hollywooder Liederbüchlein“, mit denen sich die HfM Weimar nun künstlerisch auseinandersetzt.

Ein zweiteiliger Konzertabend am Donnerstag, 25. Oktober um 19:00 Uhr im Festsaal Fürstenhaus wird Auszüge aus dem Songbook ganz klassisch im Liedduo und mit intensivem Kammerjazz interpretieren. Der Eintritt zum Konzert ist frei!

Nach einer Einführung durch die Weimarer Professoren Martin Pfleiderer (Geschichte des Jazz und der populären Musik), Christoph Ritter (Lied- und Partienstudium) sowie Michael Schiefel (Improvisierter Gesang) ist ein preisgekröntes Liedduo zu erleben.

Mezzosopranistin Polina Artsis und Pianistin Elitsa Desseva singen aus dem Songbook neben „Hölderlinfragmenten“ vor allem Eisler-Lieder auf Texte von Bertolt Brecht, darunter „Frühling“, „Auf der Flucht“ und „Über den Selbstmord“. Außerdem wird das Duo fünf „Hollywood-Elegien“ aus dem Liederbuch darbieten, mit poetischen Titeln wie „Unter den grünen Pfefferbäumen“ und „Die Stadt ist nach den Engeln genannt“.

Nach der Pause betritt um 20:00 Uhr das „Wood&Steel Trio feat. Michael Schiefel“ die Bühne des Festsaals im Fürstenhaus. Das Jazzquartett mit Michael Schiefel (Gesang), Roland Neffe (Vibraphon, Marimba), Christian Kögel (Dobro) und Marc Muellbauer (Bass) interpretieren diesen Liederzyklus mit leisem, aber intensivem Kammerjazz in einer Bearbeitung von Michael Schiefel.

Die Musiker zeigen, wie verstörend aktuell diese Kompositionen gerade heute sind. Sie haben ihre Version des „Hollywood Songbook“ bei „Traumton Records“ auch auf CD eingespielt.

Das Jazzquartett kreiert höchst nuancierte und intensive Interpretationen der Eisler-Lieder und transzendiert den Geist der Originale respektvoll in eigenwillige neue Variationen. Darunter sind auch die Lieder „Frühling“, „Auf der Flucht“ und „Über den Selbstmord“, die in der ersten Konzerthälfte reits in klassischer Form zu hören sein werden.

Hanns Eisler war im Frühjahr 1942 nach Los Angeles gereist, um für die dortige Filmindustrie zu arbeiten. Er komponierte bis 1947 für acht große Hollywood-Produktionen die Filmmusik. Seine ersten Wochen in der Filmmetropole beschrieb er so: „Ich lebe hier in einer abscheulichen Hitze (und mit meinen äußerst mageren Geldmitteln) von Verabredung zu Verabredung, von Telephonanruf zu Telephonanruf wie in einem abscheulichen Traum. Für mich ist es hier eine Hölle der Dummheit, der Korruption (einer wahrlich unbeschreibbaren!) und der Langeweile. Das einzig gute ist mein neues Liederbüchlein („Hollywooder Liederbüchlein“ genannt).“

Das Konzert ist eine Kooperation der Institute für Neue Musik und Jazz, Gesang | Musiktheater und Musikwissenschaft Weimar-Jena.

Foto: Maik Schuck