Unter der Überschrift „Die Zeit ist reif! – Aufbruch 89 in Erfurt“ wird am 24. und 25. Mai mit historischen Streifzügen, Diskussionen, Vorträgen, Konzerten mit Rap und Bluesrock sowie einer Ausstellung in Erfurt der Friedlichen Revolution von 1989 gedacht.

Veranstalter sind die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) sowie die Stiftung Ettersberg mit weiteren Partnern. Die vier Veranstaltungsorte Offene Arbeit, Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße, Kunsthaus und Michaeliskirche stehen dabei exemplarisch für den emanzipatorischen Geist des Jahres 1989.

Mit den Veranstaltungen wird an die Geschehnisse in Erfurt im Jahr 1989 erinnert. „Die Zeit ist reif!“ war damals der Gründungsaufruf des Neuen Forums überschrieben. Mutige Erfurter deckten im Mai 1989 die Wahlfälschung der SED zur Kommunalwahl auf und der geplante Abriss großer Teile des Andreasviertels traf auf anhaltenden Protest. „Der Wunsch nach gesellschaftlicher Veränderung und politischem Aufbruch wuchs, doch die SED-Funktionäre stellten sich taub. Von Erfurt gingen in diesen Wochen viele Impulse aus, die für die Friedliche Revolution wichtig wurden“, erinnert Christhard Wagner, Beauftragter der Evangelischen Kirchen beim Land Thüringen. Jörg Ganzenmüller, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Ettersberg, ergänzt: „Wir wollen mit den Neugierigen, den damals Beteiligten, den heute Fragenden, den jungen und alten Menschen über ihre Träume und Motivationen, ihren Glauben und ihre Bereitschaft zur Tat als eine Quelle zur Veränderung diskutieren“.

Die Eröffnung findet am 24. Mai um 19 Uhr in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße statt. Das Gebäude war fast vierzig Jahre Gefängnis der Staatssicherheit und wurde am 4. Dezember 1989 als erste Stasizentrale in der DDR von Erfurtern besetzt. Eine szenische Lesung aus Briefen, Protokollen und Akten über diese spannende Zeit sowie eine Podiumsdiskussion über den Beginn der Friedlichen Revolution in Erfurt mit den Zeitzeugen Dr. Aribert Rothe und Tely Büchner sowie dem Historiker Christian Herrmann unter Moderation der EKM- Rundfunkbeauftragten Ulrike Greim steht hier auf dem Programm.

Am 25. Mai wird ab 11 Uhr in der Michaeliskirche über „Bilder, Erzählungen, Perspektiven“ diskutiert. In der damaligen Kirche der Erfurter Opposition erzählen Akteure und Akteurinnen der Ökumenischen Versammlung in der DDR über den Aufruf zu Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung und erklären, warum die Fragen heute immer noch aktuell sind.

Das Kunsthaus Erfurt als Zentrum für zeitgenössische Kunst wurde 1990 von der Künstlerinnengruppe „Exterra XX“ als einer der wichtigsten Initiativen der nonkonformen Szenen in der DDR gegründet. Am 25. Mai ist hier von 14 bis 19 Uhr die temporäre Ausstellung „Liebe, Lust und Widerstand“ zu sehen. Der Blick in die subversive Kunstwelt Erfurts der 1980er Jahre mit Filmaufnahmen, Bildern und Texten zeugt beispielhaft von der kreativen Kritik und dem produktiven Umgang vieler Künstler und Künstlerinnen mit den realsozialistischen Verhältnissen.

Ab 16 Uhr geht es bei der Offenen Arbeit um „Alte Fragen? Neue Herausforderungen!“. Themen sind unter anderem die Ideen der Zivilgesellschaft aus den 1980er Jahren sowie heutige Wünsche und Hoffnungen der Menschen nach gesellschaftlichen Veränderungen. Die Offene Arbeit war in den Augen des Staates ein Ort für eine „Zusammenkunft der feindlich-negativen Kräfte aus Kultur, Gesellschaft und Kirche“ und für viele Menschen ein alternativer Treff im Einheitsmuff der DDR, ein Ort zum Luft holen und der Basisdemokratie, so die Veranstalter.

Ab 19 Uhr gibt es am gleichen Ort Konzerte mit Rap von Magma&MBP sowie Bluesrock mit der legendären Band „Kirsche & Co“. Die Lieder der Band standen für die Sehnsucht nach Aufbruch, Rap steht für Diskurs, Hoffnung und Kontroverse; beides zeugt von der Kraft der Musik für Durchhalten, Kraftschöpfen und Veränderung, heißt es dazu.