Weimar. Für die Entwicklung ihres kurzzeitig sichtbaren Desinfektions-Gels sind Robert Hellmundt, Absolvent des Studiengangs Visuelle Kommunikation, und Alexander Döpel, Künstlerischer Mitarbeiter an der Professur Bild-Text-Konzeption an der Bauhaus-Universität Weimar, mit dem XXI. Thüringer Innovationspreis in der Kategorie »Licht & Leben« ausgezeichnet worden. Die Jury sieht in der Innovation »Heyfair« das Potenzial, sich als weltweite Standard-Desinfektionslösung zu etablieren.

Mit der Glas-Produktserie »1200° C« und dem Dämmmaterial »SULFOAM« wurden zwei weitere Produkte gewürdigt, die in Kooperation mit der Bauhaus-Universität Weimar entstanden sind.

Mit ihrem ungewöhnlichen visuellen Ansatz überzeugte die aus der Gründerwerkstatt »neudeli« der Weimarer Universität hervorgegangene »Heyfair« GmbH die achtzehnköpfige Fachjury, der hochkarätige Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Medien und Wissenschaft angehören. Insgesamt 70 Bewerbungen kleiner und mittlerer Unternehmen aus Thüringen waren in diesem Jahr eingegangen. Mit ihrem innovativen Desinfektions-Gel überzeugten die Gründer und erhielten den mit 20.000 Euro dotierten Preis in der Kategorie »Licht & Leben«.

Visuell unterstützte Handdesinfektion könnte zum weltweiten Standard avancieren
Die Idee von »Heyfair« nimmt sich eines wesentlichen Problems der Hygiene in Alltag und Beruf an: Jedes Jahr kommt es in Deutschland zu etwa 400.000 bis 600.000 Krankenhausinfektionen. Es wird angenommen, dass etwa 15.000 Menschen jährlich aufgrund solcher Infektionen ihr Leben verlieren. Etwa 90 Prozent aller Erreger werden dabei per Handkontakt übertragen. Entsprechend wichtig ist die richtige Desinfektion der Hände. Doch in neun von zehn Fällen werden entweder nicht alle Hautpartien vollständig benetzt, zu wenig Desinfektionsmittel verwendet oder der Vorgang schlicht vergessen. Durch ein intelligentes Kommunikationsdesign wollen die Erfinder des »Heyfair«-Desinfektionsmittels das Problem weltweiter Infektionen angehen. Ihr Gel färbt die Haut temporär, wodurch nicht desinfizierte Bereiche sichtbar werden. Anhand der Farbintensität lässt sich zudem erkennen, ob die notwendige Mindestmenge des Desinfektionsmittels verwendet wurde.

In der Begründung der achtzehn-köpfigen Jury heißt es: »Krankenhausinfektionen sorgen für immense Zusatzkosten im Gesundheitswesen. Mit dem temporär sichtbaren Desinfektionsmittel kann die Umsetzung von hohen Hygienestandards nachhaltig verbessert werden, um Infektionen effektiv vorzubeugen. Dank der einfachen Anwendung, der Kompatibilität zu marktüblichen Desinfektionslösungen und des geplanten Lizenzmodells hat die zum Patent angemeldete Innovation das Potenzial, sich als weltweite Standard-Desinfektionslösung zu etablieren.« Derzeit arbeiten die Preisträger, zu denen auch der Jenaer Chemiker Dr. Holger Wondraczek gehört, an der Serienreife des Produkts.

Zwei weitere Nominierungen in Zusammenhang mit der Bauhaus-Universität Weimar
Neben der Preisverleihung an die Firma »Heyfair« wurden im Rahmen des Thüringer Innovationspreises 2018 zwei weitere Produkte gewürdigt, die in Kooperation mit der Bauhaus-Universität Weimar entstanden sind. So ist in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Produkt-Design an der Bauhaus-Universität Weimar in der ELIAS Glashütte Lauscha, eine der ältesten Glasmanufakturen im Thüringer Wald, im Jahr 2017 die Glas-Produktserie »1200° C« entstanden. In einem Kurs unter der Leitung von Dipl.-Des. Meike Langer gelang es den Weimarer Studierenden, durch das Experimentieren mit dem Material, traditionelle Handwerkskunst und modernes Design miteinander zu verbinden und moderne Glasprodukte für den Alltag zu entwickeln. Durch die Serie werde die jahrhundertlange Tradition der Thüringer Glasmacherkunst und des Thüringer Waldglases in modernem Gewand fortgeführt, hob die Jury hervor und würdigte die Produktserie mit einer Nominierung in der Kategorie »Tradition & Zukunft«.

Darüber hinaus erhielt auch das Dämmmaterial »SULFOAM«, bei deren Entwicklung das F. A. Finger-Institut für Baustoffkunde der Bauhaus-Universität Weimar als einer von sieben Projektpartnern beteiligt war, eine Anerkennung der Fachjury in der Kategorie »Industrie & Material«. Die Weimarer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler brachten vor allem Grundlagenwissen und -untersuchungen in das Verbund-Forschungsprojekt unter der Leitung der Thüringer Firma CASEA ein. Der kostengünstige, nicht brennbare und recycelbare Baustoff eignet sich neben der energetischen Sanierung aufgrund seines sehr geringen Wasserbedarfs und schneller Trocknungszeiten auch für die materialverträgliche Verfüllung sulfathaltiger Mauerwerke. Dadurch bietet er verbesserte Möglichkeiten, historische Kulturdenkmäler und Gebäude fachgerecht zu sanieren und für die Nachwelt zu erhalten.

Hintergrund:
Mit dem Wettbewerb um den »Innovationspreis Thüringen« soll die wirtschaftliche Bedeutung von zukunftsfähigen Innovationen vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft und des Handwerks herausgestellt werden. Unternehmen sollen motiviert werden, diesen Wettbewerbsfaktor noch intensiver in ihre Firmenphilosophie einzubeziehen und strategisch stärker zu nutzen. Der Preis wird gemeinsam vom Thüringer Wirtschaftsministerium, der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT), dem TÜV Thüringen e. V. sowie der Ernst-Abbe-Stiftung vergeben. Der Wettbewerb steht unter der Schirmherrschaft des Thüringer Ministers für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft Wolfgang Tiefensee. Mit insgesamt 100.000 Euro Preisgeld ist der Innovationspreis Thüringen einer der höchstdotierten Landesinnovationspreise in Deutschland.

Mehr Informationen zum Thüringer Innovationspreis:
https://www.innovationspreis-thueringen.de/