Erfurt. Ergebnisse der Bewohner*innenbefragung zum Hitzesommer 2018 durch die Fachhochschule Erfurt

In den Sommermonaten 2018 hatte das Institut für Stadtforschung, Planung und Kommunikation der Fachhochschule Erfurt die Bewohnerinnen und Bewohner der Erfurter Oststadt zu Hitzebelastungen, zu ihrem Umgang damit und zu Maßnahmen zur Vorsorge befragt. Nun liegen die ersten Ergebnisse vor.

Die Stadt Erfurt ist gefordert, aus dem Hitzesommer 2018 zu lernen. Denn rund 60 Prozent der Befragten gaben an, dass sie die Hitzebelastung in ihrem direkten Wohnumfeld in der Oststadt in den Sommermonaten als „sehr belastend“ oder „eher belastend“ empfanden. Rund 65 Prozent der Befragten beklagen, dass sie an den heißen Tagen und Nächten oft oder manchmal unter Schlafstörungen leiden. Auch Kreislaufbeschwerden und Kopfschmerzen unterstreichen die körperlichen Einschränkungen. Insbesondere am Arbeitsplatz und in der Innenstadt ist die Hitze am deutlichsten belastend. Während die begrünten Innenhöfe der Wohngebäude im Sommer gerne genutzt werden, äußern 70 Prozent der Befragten die beiden großen Plätze – Hanseplatz und Leipziger Platz - eher selten oder nie zum Verweilen aufgesucht zu haben.

„Um die sommerliche Hitzebelastung zu verringern, wünschen sich die Befragten vor allem Beschattungen von Haltestellen und Gehwegen, die Pflanzung von Straßenbäumen, die Anlage von Grünflächen, die Entsiegelung und Begrünung von Innenhöfen, die Anlage von Trinkbrunnen, Sitzgelegenheiten im Schatten und einen klimatisierten ÖPNV“, erläutert das Forschungsteam Professorin Dr.-Ing. Heidi Sinning und Marie-Luise Baldin vom Institut für Stadtforschung.

Diese Aussagen unterstreichen die ersten Ergebnisse der Erfurter Grünen Befragung 2017 der Stadtverwaltung Erfurt.

Im Rahmen des Projektes „HeatResilientCity“ waren die Forscherinnen und Forscher des Instituts für Stadtforschung, Planung und Kommunikation der Fachhochschule Erfurt im Hitzesommer 2018 mit dem „Bänkemobil“ auf den Straßen und Plätzen der Erfurter Oststadt unterwegs. Insgesamt 203 Anwohnerinnen und Anwohner der Oststadt brachten ihre Meinungen und Einschätzungen zur Hitzebelastung im Stadtteil und in ihren Wohnungen sowie zu möglichen künftigen Anpassungsmaßnahmen an sommerliche Hitze ein.

Ziel des Forschungsprojekts ist es, herauszufinden, wie sich die Hitzebelastung spürbar vermindern lässt. Einige Maßnahmen könnten schon bis 2020 in Pilotprojekten umgesetzt werden. Eine Anpassungsmaßnahme an Sommerhitze, die sowohl die Wissenschaftler*innen als auch 79 Prozent der befragten Bewohnerinnen und Bewohner der Erfurter Oststadt als besonders wirksam einschätzen, sind außenliegende Verschattungsanlagen an Gebäuden, etwa Außenjalousien oder Fensterläden.

Der Bericht mit den ersten Ergebnissen der Befragung steht unter www.fh-erfurt.de/isp/aktuelles oder unter www.erfurt.de/ef/de/leben/oekoumwelt/projekte/130744.html kostenlos zum Herunterladen bereit.

Nun sind interessierte Bewohnerinnen und Bewohner der Oststadt zum weiteren Dialog zu Hitze in der Oststadt eingeladen: am 23. Januar findet ab 17 Uhr eine Veranstaltung zum Thema „Hitzeanpassung auf dem Leipziger Platz und Hanseplatz“ und am 25. Januar ab 14 Uhr zum Thema „Seniorinnen und Senioren – Aktiv trotz Hitzebelastung“ im Bürgerhaus in der Leipziger Straße 15 (Eingang Liebknechtstraße) in Erfurt statt. Eine weitere Diskussionsveranstaltung zur Zukunft der Oststadt ist am 6. Februar geplant. Nähere Informationen zu diesen Workshops sind unter http://heatresilientcity.de/Kalender/termine/ verfügbar.

Hintergrund

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) förderte das Projekt „HeatResilientCity“ (Hitzeresiliente Stadt- und Quartiersentwicklung in Großstädten am Beispiel von Dresden und Erfurt) als Vorhaben der „Leitinitiative Zukunftsstadt“ im Themenbereich „Klimaresilienz durch Handeln in Stadt und Region“. Für die Laufzeit bis Herbst 2020 erhalten die Projektpartner insgesamt rund 2,5 Millionen Euro. Wissenschaftliche Partner sind das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung Dresden, das Institut für Stadtforschung, Planung und Kommunikation der Fachhochschule Erfurt (ISP), das Institut für Hydrologie und Meteorologie der Technischen Universität Dresden und die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden. Praxispartner sind das Umwelt- und Naturschutzamt der Landeshauptstadt Erfurt, das Umweltamt der Landeshauptstadt Dresden sowie die Eisenbahner-Wohnungsbaugenossenschaft Dresden.

Weitere Informationen: http://heatresilientcity.de